FDP Wunstorf

Umweltschutz geht nur mit den Menschen

Daniel Farnung im Interview mit dem Wunstorfer Stadtanzeiger

Die FDP Wunstorf hat mit einigen Personalentscheidungen bereits begonnen, die Weichen für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr zu stellen. Ein politischer Schwerpunkt der Liberalen ist unter anderem der Klima- und Umweltschutz, wie der Vorsitzende des Stadtverbandes, Daniel Farnung, im Gespräch mit dem Stadtanzeiger erklärt. Er selbst ist Regionsabgeordneter und will es bleiben, sich aber auch um einen Sitz im Stadtrat bewerben. Von André Tautenhahn. (tau): Herr Farnung, das Gesicht der FDP im Wunstorfer Stadtrat ist Kurt Rehkopf. Er ist seit vielen Jahren dabei, hat nun aber angekündigt, bei der nächsten Wahl nicht wieder zu kandidieren. Wer wird Spitzenkandidat der Liberalen und welche Chancen rechnen Sie sich aus? Farnung: Wir sind gerade dabei, unser Team zu formieren. Mit Kerstin Obladen und Jelger Tosch haben wir bereits zwei Kandidaten präsentiert, die engagiert sind, sich gut ergänzen und verschiedene Wählerschichten ansprechen. Ich selber möchte mich ebenfalls um einen Sitz im Stadtrat bewerben und strebe einen Spitzenplatz auf der Liste an. Bislang haben wir zwei Sitze. Unser Ziel ist es, noch einen dazuzugewinnen. (tau): Allerdings hat Thorben Rump in diesem Jahr der FDP den Rücken gekehrt, nachdem was sich die Partei in Thüringen geleistet hat. Wie sehr schmerzt der Verlust? Farnung: Das hat richtig wehgetan aus Sicht des Stadtverbandes und auch persönlich. Thorben hat Themen wie die Schulpolitik vorangetrieben und auf den Punkt gebracht. Im Vorstand haben wir gut miteinander harmoniert. Ohne ihn hätte ich 2012 den Vorsitz nicht übernommen. Ich respektiere seine Beweggründe, aus der FDP auszutreten, aber voll und ganz. Bei der Wahl zum Ortsrat Steinhude will er als Einzelkandidat wieder antreten. Wir stellen hier mit Kerstin Obladen eine ähnlich starke und bekannte Persönlichkeit auf. Das wird spannend. (tau): Auf einen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl verzichten Sie aber? Farnung: Stand jetzt, ja. Wir wollen aber alle Kandidaten einladen, um mit ihnen zu diskutieren. Danach werden wir eine Wahlempfehlung abgeben. (tau): Die FDP ist auf Stadtebene Teil der Mehrheitsgruppe. Sie selbst sind allerdings Mitglied der Regionsversammlung und bespielen von dort aus viele Themen, die auch die Medien aufgreifen. Ist die FDP Wunstorf nun mehr Stadt oder Region? Farnung: Als kleinster Partner der Mehrheitsgruppe haben wir es etwas schwerer wahrgenommen zu werden. Das heißt aber nicht, dass die FDP hier nicht stattfindet oder nichts bewegt. Über die Regionsebene versuchen wir uns in der Tat mit Debattenbeiträgen mehr einzubringen, die aber auch Wunstorf betreffen. (tau): Sie beschäftigen sich vor allem mit den Umweltauswirkungen von Salzlaugentransporten, Schutzgebietsausweisungen oder mit der Frage der Energieeffizienz im Gebäudemanagement. Sind die Liberalen die besseren Grünen? Farnung: Uns liegt jedenfalls viel am Umweltschutz, der aber mit den Menschen, nicht gegen sie erreicht werden muss. Wir fordern daher nachvollziehbare Abstimmungsprozesse, bei denen die Betroffenen mitgenommen und mindestens angehört werden müssen. Viele Entscheidungen haben Folgewirkungen, die nicht zu unterschätzen sind. Um so wichtiger sind Transparenz und Beteiligung. Beim Klimaschutz sollte die Stadt deutlich sichtbarer eine Vorreiterrolle übernehmen. (tau): Mit einem noch ausstehenden Schutzgebietsverordnungsentwurf für das FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie) "Untere Leine" drohen Angelverbote. Die ortsansässigen Vereine aus Wunstorf, Luthe, Blumenau, Bokeloh und Steinhude sind alarmiert. Wie ist Ihre Position? Farnung: In der Regionsversammlung habe ich als einziger gegen die Pläne gesprochen, die ja bereits für das FFH-Gebiet an der oberen Leine zwischen Hannover und Ruthe umgesetzt sind. Leider hat die Große Koalition anders entschieden. Der Protest der Angler zeigt, dass sich was ändern muss. Sie betreiben aktiv Umweltschutz, indem sie die Gewässer pflegen, sich um heimische Fischarten kümmern, die vom Aussterben bedroht sind und auch das Schwarzangeln überwachen. Alles ehrenamtlich. Sollten Verbote kommen, wären die Vereine in ihrer Existenz bedroht und könnten ihre Aufgaben für den Naturschutz nicht mehr wahrnehmen. (tau): Tauchen wir noch einmal in die Arbeit der Mehrheitsgruppe im Stadtrat ein. Hier sind Sie ja nicht in der Opposition. Ist denn das, was sich die Partner vor vier Jahren vorgenommen haben, auch umgesetzt worden? Farnung: Wir haben viel gemeinsam erreicht, aber es stimmt, einiges steht noch auf der Liste. Mich hat wirklich genervt, dass wir beim Thema Nachnutzung Freibadgelände überhaupt nicht weitergekommen sind. Ich wünsche mir, dass wir in dieser Ratsperiode hier auf jeden Fall noch die Weichen stellen.